Michael Kress
Michael Kress  

Wir sind reich

Keine Geschichte, mehr ein paar lose Gedanken, so kurz vor Weihnachten.

 

Innehalten lohnt sich, sich seiner bewusst werden lohnt sich. Wir wollen oft zuviel, wir unternehmen oft zuwenig. Und wir vergeuden viel zu oft unser Guthaben an Zeit.

 

 

 

                           Mach was draus

 

Leider ahnen die wenigsten Mitmenschen, wie reich sie sind. Reich an Zeit. Ich versuche alles sehr bewusst zu erleben. Den Herbstwind, der mir durchs Haar fährt, das herrliche Farbenspiel eines Sonnenuntergangs. Ich mag es, auf dem Sofa zu sitzen, versunken in die Welt eines dicken Buches. Ich genieße jeden Augenblick, gebe ihm eine Chance, sich auszubreiten, und so Spuren in mir zu hinterlassen.

 

Ich liebe es, Menschen zu beobachten, kann stundenlang in Straßencafés verweilen und dabei  das Leben aufsaugen, wie ein Schwamm das Wasser. Kleine Ausschnitte des Alltags, die meine Fantasie anregen. Wohin mag der junge Mann mit der Rose unterwegs sein? Warum hetzen die Leute so?

 

Zuweilen gehe ich Tagträumen nach, staune wohin mich der Zug der Fantasie fährt. Ist es ein Stück Kindheit bewahren? Ich gehe nie ohne Notizbuch aus dem Haus, um Momente festzuhalten.

 

Lachen und Weinen liegen oft beieinander, das Leben liegt vor unseren Füßen. Ich bücke mich gerne, um zuzugreifen.

 

Wäre ich ein Buch, ich würde niemals ruhig im Regal stehen bleiben. Ich würde meine Nachbarn zur Linken und die zur Rechten besuchen. Und ihr?

 

Viele jammern, sie hätten nicht Zeit für Musestunden. Ständig müssten sie etwas erledigen, erwarte man von Ihnen etwas. Früher sei alles ruhiger, entspannter gewesen. Ohne Handy, ohne Mails.

 

Doch wenn wir einhundert Jahre zurückgehen, hatten da die Menschen mehr Zeit? Ehrer nicht. Und wenn wir noch weiter zurückgehen, etwa ins 18. Jahrhundert, würden wir staunen, wie das damals die Menschen aushalten konnten. Arbeiten von früh bis spät. Arbeiten, sChlafen, dazwischen eine spärliche Mahlzeit. Nein, früher war eben nicht alles besser. Es war anders.

 

Lasst es uns wagen, einmal einfach anders zu sein. Entschleunigt, entspannt.

 

 

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© Michael Kress