Genuss

Ein Bonbon können wir mit wenigen Bissen zerkleinern und hinunterschlucken. Oder aber langsam im Mund zergehen lassen, dabei den Geschmack erleben, mit der Zunge feine Risse und Brüche abtasten.

Wer hastig genießt, hat nichts vom Genuss. Es bleibt ein vager Eindruck, ein flüchtiges Erlebnis. So laufen wir immer dem wahren Genuss hinterher.

 

Das ist unfair uns selbst gegenüber, aber auch gegenüber denjenigen, die zuvor Arbeit hatten. Wir denken nicht an den Fleiß des Bauern, der Bäuerin, wenn wir im Supermarkt ein Netz Kartoffeln kaufen. Selbst wenn wir beim Bauern direkt einkaufen, denken wir nicht darüber nach. Wir sehen seine schwieligen Hände, von Erde verkrustet, aber mehr auch nicht.

 

Uns Autoren und Autorinnen geht es ähnlich. Wir verbringen Wochen, Monate hinter der Tastatur, feilen an Sätzen, suchen stets das beste Wort.  Wir opfern unsere Energie, zuweilen unsere Nerven, vernachlässigen erst uns, dann auch unsere Freunde, unsere Partner. Wir vergessen zu Essen, Schlafen unregelmäßig, wälzen im Bett noch unsere Geschichten. Das alles sehen die Leser nicht, wenn sie unser Werk in den Händen halten. Was sie in wenigen Stunden verschlingen, hat uns zuweilen an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gebracht. Warum tun wir uns das an? Ganz einfach. Weil wir es genießen, eine Welt zu erschaffen, Menschen zu erfinden.

 

Bitte mit Bedacht essen