Bahn Informationstafeln

 

Es hat gut angefangen. Am Bahnsteig sah ich nach der Wagenstandsanzeige und las, dass meine Zugnummer gleich zweimal aufgeführt war. Der zweite, längere Zug, galt ab Mitte März. Demnach stand ich für meinen Wagen, mit der Nr.21, im Abschnitt B, vollkommen richtig.

Wenig später traten zwei Damen an die Infotafel heran. Die eine trug eine Sonnenbrille und eine Blindenbinde. Die andere las ihr laut vor. „Wir müssen zu Abschnitt D, sagte sie. Dort hält der Wagen Nr.21.“

„Verzeihung“, warf ich mich dazwischen. „Sie können hier bleiben, denn Wagen Nr.21 hält hier. Ab Mitte März gilt eine andere Reihenfolge.“

Die Frau betrachtete noch einmal die Tafel. „Da steht es, tatsächlich.“ Artig bedankten sich die beiden, die ich dann aus den Augen verlor.

Der Zug kam, und ich stieg in den Zug, stieg in den Wagen Nr.27, der direkt dort hielt, wo ich wartete. Das muss der andere Zugteil sein, dachte ich. Der, der in Leipzig abgehängt wird. Ich lief die Gänge entlang nach rechts und kam beim nächsten Wagen an. Nr.28. Sollte ich doch auch einmal etwas finden, was mich über die Bahn schimpfen ließ? Leicht verärgert wandte ich mich um und trat meinen langen, beschwerlichen Weg in Richtung Nr.21 an. Ich hatte zwei Wagen bereits durchschritten, als ich wieder auf die beiden Damen traf. „Wären wir nur gleich zu Abschnitt D vorgelaufen“, sagte die eine gerade über ihre Schulter hinweg an ihre Freundin gewandt. Mein Ärger war längst Irritation und Beschämung gewichen.

 

Nachtrag:

Vor der Rückfahrt stand ich erneut vor der Infotafel und las. Dieses Mal besonders gründlich. Und ich erkannte, dass es zwar ab Mitte März eine andere Wagenordnung gab, der Zug in Leipzig geteilt wurde, allerdings nur an Samstagen. Die Bahn war rehabilitiert und ich auch, siehe Erster Nachtrag.