Bars

Ich reise gerne in andere Städte, wohne dann in Hotels und gehe abends in die Hotelbar. Nur ein Lift oder ein paar Stufen trennen mich von meinem Bett. Ein unschlagbarer Vorteil.

 

Große Hotels leisten sich besonders große Bars. Oft steht in der Ecke ein Klavier, manchmal sogar ein Flügel. Da sitzt dann ein Mann (ich habe noch nie eine Barpianistin erlebt) und spielt irgendwelche Klassiker. „Moon River“ ist da sehr beliebt. Oft ist es so, dass niemand der Gäste wirklich zuhört. Sie unterhalten sich mit ihren Geschäftspartnern, Freunden, Partnern. Die Musik plätschert dahin wie die Hintergrundmusik in einem Kaufhaus. Einzelne Gäste sitzen stumm da, hängen ihren Gedanken nach oder lesen. Oder beobachten, so wie ich es tue.

In Stuttgart habe ich einen Klavierspieler  einmal dabei ertappt, wie er mitten im Lied abbrach. Seine ganze Körperhaltung war ein einziges stöhnen. Aus „Let it be“ wurde eine Aneinanderreihung von Tönen, die überhaupt nicht nach Beatles klangen.. Ein Rundblick zeigte mir, dass niemand das wahrnahm. Halt! Die Bardame horchte auf, sah zum Klavierspieler und ging auf ihn zu. Sie legte ihm eine Hand auf seine Schulter, und er fand zurück zu „Let it be“ und den Harmonien Paul McCartneys.

Diese Geste, das Handauflegen, hat dem Pianisten geholfen. Ob er ahnt, dass er mit seiner Musik auch anderen hilft, ihnen ihr Gleichgewicht wieder gibt?

 

Anders die Bars kleinerer Hotels. Sie gleichen sich alle in einer Hinsicht. Sie glänzen durch das Nichtvorhandensein eines Barkeepers. Meist kümmert sich die Dame des Empfangs um die Bargäste, die es zumeist gar nicht gibt.

Zur Abrundung der Trostlosigkeit fehlt noch ein Automat, an dem man seinen Cocktail rauslassen kann. Wäre mal was neues, ein Cocktailautomat. Wahlweise mit Eiswürfeln.