Berliner Bauwerke

 

Das Berliner Stadtschloss

 

Der Neubau steht, das Dach ist bereits fertig und die meisten Fenster  sind eingebaut. Die Kuppel ragt in die Höhe.

 

Mir hätte an dieser Stelle, unter begehbarem Glas, ein Modell der Berliner Mitte gefallen. Ein Modell, das dieses Areal im Wandel der Zeiten zeigt. Dabei käme das Stadtschloss wieder zur Geltung, wenn auch nur im Maßstab 1:50 oder so. Mit einem Kaiser, der auf dem Balkon den Gefallenen des 18.März 1848 huldigt, der den Hut abnimmt, seinen Kopf neigt. Dann, in einer anderen Zeit, für uns ein paar Schritte weiter, stünde dort der Palast der Republik. Verziert mit Hammer und Sichel, wie wir ihn kannten. All das, versehen mit originalgetreu nachgebildeten Gaslampen, Droschken und später mit knatternden Trabis. Das wäre eine feine Sache. Begehbare Geschichte. Nicht so ein Klotz von Stadtschloss, eine zum Großteil nur ummauerte leere Hülle.

 

Und dann ein Blick in das Berlin 2045, mit den Feierlichkeiten zu 100 Jahren Frieden in Europa. Die Rede hielte ein farbiger Bundeskanzler, die Präsidentin der Vereinigten Staaten würde an der Seite ihrer Kollegin aus China stehen, ein Kinderchor mit Kindern aus aller Herren Länder würde ein Lied singen.

 

Was die Bebauung angeht, würde mir an diesem Ort ein „Museum des freien Wortes“ sehr gefallen. Denn das Wort brachte Bildung, zementierte Gedanken und bildet das Fundament der Freiheit.  

 

Die Mauer

 

Früher hatte Berlin eine Stadtmauer, trutzig und wehrhaft. Irgendwann war sie militärisch nicht mehr relevant, stand der Ausbreitung im Wege, wurde mehr und mehr verdrängt. Als nächstes folgte die Akzissenmauer, eine Art Zollzaun. Auch hier war das Brandenburger Tor eine der Durchfahrten. Die Akzissenmauer verschwand und für lange Zeit war es das mit den Mauern. Bis ein gewisser Ulbricht, der nie die Absicht hatte, eine Mauer zu errichten, genau dies tat. Gemessen an früheren Mauern der Stadt hatte diese „Ulbricht-Mauer“ eine sehr kurze Lebenszeit. Wer heute noch Reste davon sehen möchte, wer wissen will, wo sie genau verlief, diese berühmteste und kurzlebigste Mauer der Welt, der muss schon genau hinschauen. Dann findet er irgendwo im Asphalt eine Linie, die anzeigt wo sie stand.  Natürlich gibt es noch die Gedenkstätte an der Bernauer Straße, und auch der "Tränenpalast" am Bahnhof Friedrichsstraße steht noch.

 

Was niemand sehen kann, was aber seit jeher besteht, was wohl niemals gänzlich verschwinden wird, das sind die Mauern in den Köpfen. Wer eine bei sich selbst entdeckt, der sollte sich die Worte Ronald Reagens ins Gedächtnis rufen: „Break down this wall!“.